Sport und Diabetes
Wie geht die Fitnessszene mit der neuen „Volkskrankheit“ um?
Neben einer gesunden Ernährung und einer angemessenen Medikation ist das Thema „Bewegung“ die dritte wichtige Säule in der Diabetestherapie. Auch für Diabetiker hat Sport viele Vorteile.
Die heutige Bedrohung für die Menschheit in Bezug auf Krankheiten heisst nicht mehr Pest oder Grippe, sondern u.a. Adipositas oder metabolisches Syndrom.
Selbst Personen, die sich fast täglich bewegen, können durch einen Bewegungsmangel am Arbeitsplatz in ein Bewegungsdefizit geraten. Spätestens beim Erstellen eines persönlichen Time-Managementplans, der Bewegung und Inaktivität (sitzen und liegen) gegenüberstellt, wird klar, dass wir bei einem Bürojob bis zu 80% des Tages inaktiv sind.
Vor allem seit den letzten Jahrzehnten leidet die Wohlstandsgesellschaft in den Industrieländern an den oben genannten „neuen“ Krankheiten und deren Folgeschäden. Fast beängstigend dabei ist allerdings, mit welcher Ignoranz und Gleichgültigkeit viele diesen Problemen, die in zehn bis 20 Jahren zu unbezahlbaren Folgeschäden und Pflegefällen ausarten können, gegenüberstehen.
Diabetes mellitus
Eine dieser Zivilisationskrankheiten, die in der letzten Zeit sprunghaft angestiegen ist, ist die Zuckerkrankheit „Diabetes“.
Diabetes-Kranken hat man früher eine sportliche Aktivität untersagt. Heute weiss man, dass genau das Gegenteil richtig ist. Diabetiker können durch sportliche Aktivität ihre Lebensqualität um ein Vielfaches verbessern. Neben speziellen Sportevents (zum Beispiel Marathon in Berlin), die ihr Programm mit einer speziell auf Diabetiker ausgerichteten Betreuung ergänzen, gibt es seit kurzem auch Fitnesscenter, die sich dieser „neuen“ Zielgruppe bewusst annehmen und spezielle sportliche Betreuungen für Diabetiker anbieten Man unterscheidet zwei verschiedene Diabetes-Typen: Diabetes 1 und Diabetes 2.
Diabetes Typ 1
Meist erkranken Kinder und Jugendliche an Diabetes 1 oder werden mit dieser Krankheit geboren. Sie müssen von klein auf lernen, mit einer Insulinzugabe zu leben. Eine Heilung dieser Krankheit ist noch nicht möglich.
Trotzdem hat Sport bei Diabetes- 1-Betroffenen eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf- System und unterstützt das ganze Immunsystem. Ebenso werden psychische Faktoren durch den Sport positiv gefördert. Allerdings muss die Insulintherapie an die Sportart bzw. die Intensität angepasst werden.
Grundsätzliches beim Sport: Um eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) zu vermeiden, muss die Insulinmenge vor dem Sport verringert werden beziehungsweise müssen zusätzlich Kohlenhydrate geges- sen werden. Die Reduktion hängt in erster Linie von Art (Intensität) und Dauer der geplanten Aktivität ab. Eine lang andauernde leichte Ausdauerbelastung (zum Beispiel eine Stunde Radfahren) kann den Blutzucker stärker absenken als eine kurze starke körperliche Aktivität (zum Beispiel ein 1-km-Lauf).
Praktische Tipps:
- Immer ein Blutzuckergerät während der sportlichen Aktivität in Griffweite haben,
- ebenso „Korrekturinsulin“, Zwischenmahlzeit und Getränke.
Kontrolle der Blutwerte:
- Unter 150 mg/dl: Sie sollten noch ein bis zwei Sport-BE’s (BE = Broteinheiten) einnehmen.
- Zwischen 150 und 200 mg/dl ist der perfekte Wert, um mit dem Sport zu beginnen.
- Über 250 mg/dl sollte ein Azeton- Test durchgeführt werden.
Diabetes Typ 2
Meist sind ältere Menschen mit Übergewicht von Diabetes Typ 2 betroffen, wobei die Patienten immer jünger werden. In den USA wurde auch schon bei stark übergewichtigen Jugendlichen Diabetes 2 diagnostiziert und auch in Europa zeigt die Tendenz in diese Richtung.
Es sieht so aus, dass Übergewicht und Bewegungsmangel in Kombination „Alterszucker“ begünstigen.
Der grosse Unterschied von Diabetes 2 zum Diabetes 1 ist, dass die Bauchspeicheldrüse beim Typ 2 meist noch etwas Insulin produziert. Da Sport die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen erhöht und die Bauchspeicheldrüse noch etwas Insulin produziert, lässt sich beim Typ 2 durch Sport und richtige Ernährung eine Verbesserung des Krankheitsbildes erreichen. Bei einer ausgewogenen Mischung aus einer auf Diabetiker abgestimmten Diät und einem geeigneten Bewegungsprogramm kann man sogar in einigen Fällen von der Medikamententherapie absehen.
Sport: viele positive Aspekte
Doch sportliche Aktivität hat noch mehr positive Effekte: Sport steigert bekanntlich das allgemeine Wohlbefinden, fördert das Selbstvertrauen und lehrt den Erkrankten, „seine Grenzen kennen zu lernen“, um sich auch im Alltag besser einschätzen zu können.
Praktische Tipps: In der Schweiz gibt es einige „Bewegungsgruppen für Typ-2-Diabetiker“ (www.hepa.ch). Unter fachlicher Aufsicht können Diabetiker hier auch aussergewöhnliche Sportherausforderungen, wie zum Beispiel einen Marathon, angehen.
FAZIT
Sind uns als Bewegungsexperten beim Diabetiker Typ 1 enge Grenzen gesetzt, ist beim Diabetiker Typ 2 eine Verbesserung des Gesundheitszustandes der Betroffenen möglich. Es ist aber unumstritten, dass bei Typ 1 wie auch bei Typ 2 mit den entsprechenden Empfehlungen und Kontrollen Verbesserungen im physischen wie auch psychischen Bereich möglich sind.
Claude Ammann




