Betriebliche Gesundheitsförderung

02.06.2009Von: Viviana Abati

Ein Dienstleistungsangebot von Fitnesscentern für Unternehmen

Bis heute ist es mehrheitlich so, dass Fitnesscenter standortgebundene Dienstleistungen wie Krafttraining, Groupfitness und Ähnliches anbieten. Dafür begeben sich die Kunden grundsätzlich ins Fitnesscenter. Um als Fitnessanbieter erfolgreich zu bleiben, sollte man nach bisher noch ungenutzten Kundensegmenten Ausschau halten.

Eine dieser Möglichkeiten besteht in Angeboten betrieblicher Gesundheitsförderung innerhalb von Unternehmen. Der grösste Schritt, den es aus dem bisherigen Rahmen Fitnesscenter zu tun gilt, ist, selbst zum Kunden hinzugehen und nicht darauf zu warten, dass der Kunde ins Center kommt. Wenn wir davon ausgehen, dass etwa 5% der Schweizer Bevölkerung regelmässig in einem Fitnesscenter trainieren, geschätzte 60% aber in einem Unternehmen angestellt sind, dann lässt sich erahnen, welches Potenzial innerhalb von Unternehmen existiert. Nun aber erst einmal zu der Frage, was Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) eigentlich ist.

Was ist Betriebliche Gesundheitsförderung?
„Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst alle Massnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Gesell- schaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz (Europäisches Netzwerk für BGF). Dazu gehören gesundheitsgerechte Arbeits- und Arbeitsplatzgestaltung, Förderung einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung sowie Angebote zum gesundheitsgerechten Verhalten.“
Klingt gut – aber betriebliche Gesundheitsförderung ist nach wie vor ein „nice to have“ in Unternehmen. Was aber ist mit gesetzlichen Bestimmungen? Da gibt es nur eine, die zudem noch äusserst vage ist: Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass Arbeitsplatz und Arbeit für die Mitarbeitenden nicht gesundheitsschädigend sind.
Klingt auch gut. Für neue Angebote und Ideen ist das nämlich eine gute Ausgangslage, wenn man bei Unternehmen als potenzielle Kunden gute Argumente vorbringen will. Konkret heisst das, dass Unternehmen von Rechts wegen keine gesundheitsfördernden Massnahmen anbieten und durchführen müssen, dass viele Unternehmen an guten Angeboten aber interessiert sind, wenn sie davon überzeugt sind, dass mit wenig Kosten ein Nutzen für die Mitarbeitenden und damit für das Unternehmen selbst entsteht (z.B. weniger Stress, mehr Motivation, weniger Kopf- bzw. Rückenschmerzen und damit eine bessere Arbeitsleistung).

Warum BGF in Unternehmen?
Diese Sichtweise bringt uns automatisch zur nächsten Frage: Warum BGF in Unternehmen? Unsere Lebens- und Arbeitswelt hat sich massiv verändert. Damit gehen auch veränderte Krankheitsursachen einher, die nach neuen Lösungsansätzen verlangen. Heute sind 66% der Schweizer Arbeitnehmenden in technisch-administrativen Berufen tätig. Dadurch haben sich auch die beruflich bedingten Gefährdungspotenziale verändert: Arbeitnehmende leiden vermehrt an Erkrankungen des Bewegungsapparates und an Stressfolgekrankheiten (z.B. Bluthochdruck, Magenbeschwerden und Kopfschmerzen bis hin zum Burnout, der totalen Erschöpfung). Und genau diese genannten Gefährdungspotenziale bieten für ein Fitnesscenter Möglichkeiten, neue Angebotsfelder zu entwickeln.

Die vordringlichen Gesundheitsthemen in Unternehmen
Um entsprechende Angebote zu konzipieren, ist es natürlich hilfreich, die wich- tigsten Themen bezüglich Gesundheit innerhalb von Unternehmen zu kennen. Hierzu zwei Grafiken, die eine deutliche Sprache sprechen. Aus diesen beiden Grafiken lässt sich leicht ableiten, in welchen Bereichen ein Fitnesscenter bedarfsorientierte Dienstleistungen anbieten kann:

  • Stressbewältigung,
  • Rücken und Ergonomie,
  • Entspannung und Regeneration,
  • Augentraining,
  • Ernährung,
  • Personal Training für Geschäftsführer,
  • Informationsbedarf,
  • Inhouse-Angebote,
  • Beratung der Human Resources-Abteilung und vieles mehr.

Welche zusätzlichen Dienstleistungen kann ein Fitnesscenter im Rahmen von BGF anbieten und sich damit Unternehmen als weitere Zielgruppe erschliessen? Zugegeben, die oben erwähnten Betätigungsfelder für BGF-Angebote in Unternehmen sind keine Neuerfindung. Die braucht es aber auch nicht für unser Thema. Sie zeigen aber sehr deutlich auf, mit welchen Themen ein Fitnesscenter aktiv werden kann. Es geht ja vielmehr darum, sich neu zu etablieren und ein neues Verständnis als Fitnessprofi zu entwickeln. Ein solches neues Verständnis könnte zum Beispiel lauten:

Ich bin der kompetente Berater für Unternehmen im Bereich betrieblicher Gesundheitsförderung, unterstütze meine Kunden professionell und biete bedarfsori entierte Gesundheitsdienstleistungen direkt im Unternehmen an. Mein Ziel sind fittere und leistungsfähigere Mitarbeitende. Ich baue langfristige Beziehungen zu meinen Kunden auf und bin deren Vertrauensperson in Gesundheitsfragen.

Wenn ich mir ein solches oder ähnliches Verständnis meiner Rolle als Gesundheitspartner angeeignet habe, dann muss ich als Nächstes natürlich auch eine entsprechende Produktpalette anbieten können. Es ist also eine Überprüfung meiner Kompetenzen angesagt. Reichen diese aus, um entsprechende Dienstleistungen in Unternehmen anbieten zu können, oder gilt es, das ein oder andere Wissen zu vertiefen oder sich neu anzueignen? Darüber hinaus ist es dringend notwendig, einige ganz wichtige Aspekte zu beachten, wenn ich in der Unternehmenswelt Fuss fassen will.

Das Auftreten im Unternehmen muss passen
Der Fitnessguru wie auch der muskelgestählte Instruktor kommt bei einem Unternehmen nur dann gut an, wenn er Professionalität verkörpert. Und gemeint ist hier das, was der Kunde als Professionalität betrachtet. Dazu gehören einige Fak- toren, die selbstverständlich klingen, aber nach meiner Erfahrung oft nicht selbstverständlich sind:

  • tadelloses Auftreten inkl. angemessener Kleidung (Business, angepasst an die Branche; Fitnesskleidung nur, wenn es auch direkt um Fitness geht, also zum Beispiel Bewegungseinheiten etc.)
  • Sprache und Verhalten an die Welt des Kunden anpassen (Wie reden z.B. Banker in ihrer Welt?)
  • Visitenkarten, weitere Unterlagen in einer Topqualität (und natürlich in fehlerfreiem Deutsch)
  • Vermitteln von Diskretion, Kompetenz, Verlässlichkeit und Integrität

Die bisherigen Ausführungen lassen eigentlich offen, ob der Partner eines Unternehmens das Fitnesscenter oder ein einzelner Fitnessinstruktor oder ein Personal Trainer ist. Das ist auch so beabsichtigt. Allen Gruppen steht der Weg offen, sich als Profis bei kleinen, mittleren und grossen Unternehmen einen Namen zu machen. Das Fitnesscenter hat dadurch aber auch die Möglichkeit, neue Kunden für sein Kerngeschäft zu gewinnen – als Mitglieder, die regelmässig ins Fitnesscenter kommen.

FAZIT
Ein Unternehmen, das im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung etwas für seine Mitarbeitenden tun möchte, ist auf jeden Fall auf Profis aus diesem Bereich angewiesen. Es lohnt sich deshalb, seine Fühler auch in diesem Geschäftsbereich auszustrecken und als Fitnesscenter neue Wege zu gehen. Es ist eine befriedigende Arbeit und die Mitarbeitenden in Unternehmen schätzen die erbrachten Dienstleistungen im Bereich „Gesundheit am Arbeitsplatz“ sehr. Es lohnt sich also in doppelter Hinsicht, sich mit dem Thema Betriebliche Gesundheitsförderung auseinanderzusetzen.

Viviana Abati

Viviana Abati ist Arbeits- und Organisationspsychologin, Fachfrau für Betriebliche Gesundheitsförderung und Inhaberin eines Gesundheitsstudios. Sie ist seit 13 Jahren als Trainerin und Therapeutin tätig und besitzt neben verschiedenen Ausbildungen im Fitnessbereich auch eine Ausbildung in Spiraldynamik.
Infos:
www.inmentis.ch, www.senseum.ch

Kategorie: Konzepte & Modelle

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