In Balance

14.01.2011

Jedes Jahr ereignen sich in Deutschland etwa vier bis fünf Millionen Stürze. Es wird geschätzt, dass etwa ein Drittel der Menschen über 65 Jahre mindestens einmal pro Jahr stürzt. Bei den über 80-Jährigen sind es sogar 80 Prozent. Alarmierende Zahlen, denn viele dieser Stürze haben schlimme Folgen: Mehr als 100.000 ältere Menschen erleiden dabei einen Oberschenkelhalsbruch. Etwa genauso häufig brechen sich die Menschen bei den Stürzen das Hüftgelenk. Oftmals heilen solche Brüche nur sehr schlecht. Mehr als die Hälfte der Menschen sind nach dem Bruch in ihrer Beweglichkeit erheblich eingeschränkt. 20 Prozent werden sogar ständig pflegebedürftig.

Stolperfalle Angst
Hinzu kommt: Wer einmal gestürzt ist und sich dabei verletzt hat, bekommt Angst, dass es auch ein zweites Mal passieren könnte. Und damit beginnt ein gefährlicher Teufelskreis. Denn in der Folge bewegen sich diese Menschen noch weniger als vorher. Die Muskelkraft lässt nach, sie werden immer unsicherer. Und – wer unsicher und ängstlich ist, bei dem steigt das Risiko erheblich, erneut hinzufallen. Dies alles macht deutlich, von welch großer Bedeutung es ist, vorbeugend aktiv zu werden, um Stürze zu verhindern. Gerade für Studios, die sich auf die Zielgruppe 60+ spezialisiert haben, ist ein adäquates Angebot zur Sturzprophylaxe unbedingt wichtig.

Bewegung ist der beste Schutz
Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass körperliches Training die effektivste Maßnahme ist, um Stürze zu verhindern. Denn, tatsächlich liegt es auch an Schwindelanfällen und schlechten Augen, aber vor allem an der fehlenden Muskelkraft und am schlechten Zusammenspiel von Muskeln und Nervensystem, dass immer mehr – auch bereits Jüngere – stürzen und das Sturzalter sinkt.

Sturzprophylaxe und Gehirntraining
Die Diplom-Sportwissenschaftlerin und Lehrbeauftragte der Uni Karlsruhe Dr. Petra Mommert-Jauch beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den Themen Sturzprophylaxe und Gehirntraining bei Senioren. Sie entwickelte das ProBalance-Konzept – ein speziell kombiniertes Training für die grosse Zielgruppe 50+. Damit kann, je nach vorhandener Leistungsfähigkeit für Jeden der richtige Einstieg gefunden werden. Das Programm ist entsprechend den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen darauf ausgerichtet, Stürze nicht nur durch die Verbesserung der körperlichen Fähigkeiten, sondern auch durch das Training bestimmter Gehirnfunktionen zu vermeiden. Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist dabei eine Multi-Tasking-Gangschulung. Denn man weiß heute, dass Störungen der Denk- und Bewegungsfunktionen eng miteinander verknüpft sind und z.B. Stürze in erster Linie durch einen unsicheren bzw. unregelmäßigen Gang verursacht werden. Zur Verminderung der hohen Sturzquote, aber auch zur Verbesserung der Lebensqualität im Alter, muss der Sturzprävention unbedingt höhere Beachtung geschenkt werden. Diese darf sich jedoch nicht nur auf die Verbesserung des Risikofaktors „Umwelt“ beschränken, sondern sie muss den Faktor Mensch in die Prävention von Sturzunfällen einbeziehen.

Was bedeutet also Sturzprophylaxe?
Erfolgreiche Sturzprävention bedeutet, für die körperlichen und geistigen Alterungsprozesse zu sensibilisieren. Darüber hinaus ist es wichtig , über die Trainierbarkeit der körperlichen Leistungsfaktoren sowie der Gehirnfunktionen zu informieren, um für ein entsprechendes „Alltagstraining“ zu motivieren. Dabei darf es nicht nur um das Training der motorischen Fähigkeiten innerhalb des Fitnessstudios gehen. Aufgabe der Trainer ist es auch Anleitung zu geben, um Sturzprophylaxetraining in den Alltag einzubauen. Genau dieses wird durch das ProBalance-Konzept sicher gestellt.

Ziele & Inhalte des Sturzprophylaxetrainings
1. Ein kombiniertes Bewegungs- und Gehirntraining, das befähigen soll, die physische, mentale und psychische Leistungsfähigkeit zu erhalten bzw. zu verbessern. 2. Ein Bewegungsprogramm bei dem die Teilnehmer lernen, ihre Gangqualität, wichtige motorische (körperliche) Leistungsfaktoren und ihre Multi-Tasking-Fähigkeiten zu verbessern. 3. Dabei findet das Training nicht nur in der Gruppe, sondern auch zu Hause als „betreute“ Hausaufgabe statt, um die Eiligen- und Handlungskompetenz der Teilnehmer zu fördern. 4. Die Teilnehmer werden über die Themen Sturzgefahr und Risikofaktoren ebenso wie über Sturzvorbeugung und Training informiert. 5. Durch ein wissenschaftlich fundiertes Testverfahren zu Anfang und am Ende des Kurses werden die Gleichgewichtsfähigkeit, der Gang und die Gefahr eines Sturzes bei einer Bewegungsaufgabe untersucht. 6. In einem exakt aufeinander abgestimmten Trainingsprogramm werden Koordination, Propriozeption, Balance, Gang, Kraft und Beweglichkeit, meist in Verbindung mit passenden Gehirntrainingsaufgaben, geschult. 7. Gleichgewichts- und Koordinationsübungen werden auch in alltagsnahe Bewegungsabläufe eingebaut. 8. Sturzsimulation unter ungefährlichen Bedingungen und Anti-Sturzstrategien werden trainiert. 9. Sicherheit, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit werden so vermittelt.

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