Zucker versus Süssstoff

Hersteller von Fitness- und Sportgetränken setzen meist auf zuckerfreie Produkte und verwenden stattdessen Süssstoffe. Aber ist das wirklich gesund? Es kursieren viele Gerüchte über die Zuckeraustauschstoffe. Sollten Sie Ihren Mitgliedern also zuckerhaltige oder -freie Getränke anbieten? Jürg Hösli klärt auf.

Zuckerhaltige Getränke machen dick und sind schädlich für Körper und Zähne – Süssungsmittel sind angeblich ungesund und stehen im Verdacht, Krebs auszulösen, dick zu machen, Kopfschmerzen zu bewirken und für Epilepsie zu sorgen. Wie sind Zucker und Süssstoffe wirklich einzuordnen? Zuckerhaltige Drinks sind Glücklichaber auch Dickmacher. Beispielsweise machen zwei Liter Cola pro Tag rund 820 kcal mehr aus. Dies entspricht rund 40% des Kalorienbedarfs einer 25-jährigen Frau mit sitzender Tätigkeit und gelegentlicher sportlichen Betätigung. Darum ist der „natürliche“ Wunsch da, Süsses ohne Reue konsumieren zu können. Die Lebensmittelindustrie und -chemie liefert für diesen Wunsch die Lösung: Süssstoffe haben verglichen mit den Zuckerarten Fruktose, Saccharose (Haushaltszucker) und Dextrose (Traubenzucker) eine viel höhere Süssungskraft, aber keine Kohlenhydrate. Da für die Süssung sehr viel kleinere Mengen eingesetzt werden können, besitzen sie keinen oder nur einen vernachlässigbar kleinen Nährwert und die Energiedichte wird herabgesetzt.

Gerüchte über Süssstoffe
In der Ernährungsforschung taucht die Kritik auf, dass der Körper eine bestimmte Menge an Energie braucht. Das würde dazu führen, dass trotz der Verminderung der zugeführten Kalorien, der Körper sich die Energie über später produzierten Hunger holt. Dieser Kritikpunkt reiht sich in die lange Schlange der Gerüchte über Süssstoffe ein. Nach ihrer Entdeckung im 19. Jahrhundert kamen die Süssungsmittel schnell in den Verdacht, massive Nebenwirkungen zu haben. So zeigten Studien bei Zyklamat (E 952) und Aspartam (E 951) einen möglichen Einfluss auf die Produktion von Krebs im Tierversuch. Zyklamat wurde deshalb 1970 in den USA als Zusatzstoff verboten, für Saccharin mussten Produkthersteller den Etiketten-Zusatz beifügen „Saccharin hat in Tierversuchen Krebs ausgelöst.“

Macht Süssstoff dick?
Ein Drittel aller Schweizer und rund zwei Drittel der Deutschen Erwachsenen sind zu dick – tragen Süssstoffe eine Mitschuld, weil sie den Appetit anregen? Verschiedene Studien haben die Gerüchte über Süssstoffe unter die Lupe genommen. Ein Test belegte, dass Süssstoffe keine appetitsteigernde Wirkung haben und widerlegte die Annahme, dass Süssungsmittel indirekte Dickmacher sind („Sweetener Paradox“). Im Test wurden Flüssigkeiten mit Aspartam oder Zucker gesüsst. Von 22 Studien konnten lediglich zwei eine grössere spätere Energieaufnahme der Probanden verzeichnen. Auch weitere Versuchsanordnungen zum sogenannten Sweetener Paradox zeigten mehrheitlich bei allen Süssstoffen keine appetitsteigernde Wirkung. Ebenso konnten Studien mit Kindern über einen Beobachtungszeitraum von rund 19 Monaten zeigen, dass süssstoffhaltige Getränke keinen messbaren Unterschied im Körpergewicht der Kinder zeigten – im Gegensatz zu den Süssgetränken, die zu einer deutlichen Gewichtszunahme führten. Deshalb kann festgehalten werden, dass Süssstoffe wohl vor allem dazu dienen, nicht weiter an Gewicht, insbesondere Körperfett, aufzubauen. Eine Reduktion des Körpergewichtes ist jedoch wenig wahrscheinlich. Wer aber Süsses im Unterbewussten als Beruhigung braucht, wird diesen Effekt bei den Süssstoffen vermissen. Ein dadurch bedingter Anstieg einer Lust auf zusätzliche Kohlenhydrate wurde bisher noch nicht in der Wissenschaft analysiert. Insulinausschüttung durch Süssstoffe? Das Vorurteil, Süssstoffe würden durch eine Insulinausschüttung, und damit Hemmung der Tätigkeit der fettabbauenden Enzyme die Fettverbrennung unterbrechen, konnte nicht bestätigt werden. In einer Studie wurde Sportlern ein Getränk mit verschiedenen Zuckerarten oder Süssstoff gegeben. Die Sportler durften das Getränk jedoch nicht einnehmen, sondern lediglich den Mund spülen. Bei den Kohlenhydrat-Lösungen konnte trotzdem eine Insulinausschüttung festgestellt werden, bei den Süssstoffen jedoch nicht. Die Forscher fanden heraus, dass dies aufgrund eines Kohlenhydratrezeptors im Mund geschieht. Die Konsequenz aus diesem Befund ist, dass Süssstoffe sehr gut als Alternative für Diabetiker geeignet sind und ebenfalls in einer Diät zur Fettreduktion bei Lust auf Süsses eingesetzt werden können.

Fazit
Süssstoffe machen weder krank noch dick – sicherlich wenn sie massvoll konsumiert werden. Sie helfen langfristig jedoch kaum, Körperfett zu reduzieren, sondern das Gewicht zu halten. Da süssstoffhaltige Getränke keine Insulinausschüttung ergeben, dienen sie hervorragend als Fitnesstheken-Getränk für alle, die Cardio machen und die Fettverbrennung hoch halten wollen. Eine mögliche Überdosierung ist kaum möglich, das wurde im Rahmen verschiedener Studien bestätigt.