Design allein genügt nicht mehr

Innenarchitektur und Planung als Erfolgsfaktoren
Die Zeit, in der allein der Name eines berühmten Architekten oder eine monströse Investition in den Spa- und Wellness-Bereich des ersehnten Erfolg versprach, ist vorbei. Selbstverwirklicher oder Alleskönner können heute bei den Gästen alleine nicht mehr punkten - die Zeit der realen Werte ist angebrochen.
Besonders in der Freizeit und in den Ferien, aber auch im Spa- und Wellness-Bereich sind die Menschen sehr offen für Empfindungen. Ihr Bewusstsein ist geschärft und sowohl positive wie auch negative Einflüsse dringen relativ ungehindert zu ihnen durch. Gerade wer nackt ist, ist entsprechend verletzlich. Wer den Menschen direkt erreichen möchte, muss ihn über seine persönliche Wahrnehmung ansprechen: am besten über alle fünf Sinne. Der Mensch nimmt sein Gegenüber, ein Produkt, eine Behandlung und auch die Umwelt über seine Sinne wahr – über sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen. Oft entscheidet dabei das unbewusst Wahrgenommene über Emotionen und Wohlbefinden. Und es sind gerade diese Emotionen, die bestimmen, ob der Gast eine neue Anlage oder ein neues Angebot annimmt oder nicht.
Innenarchitektur für die Sinne
Der Innenarchitekt ist mehr als ein Planer und Techniker. Er muss das Unsichtbare erfassen und in ein Projekt integrieren können. Viele Fragen müssen im Vorfeld gestellt werden, damit am Ende ein Raum entsteht, der die Menschen aufnimmt und die gewünschte Wirkung erzielt:
- Wie soll der Raum auf die Gäste wirken?
- Handelt es sich um männliche oder weibliche Gäste? Aus welchen kulturellen Kreisen stammen sie?
- Was passiert im entsprechenden Bereich?
- Welche Funktion soll der Raum erfüllen?
- Soll der Gast angeregt oder beruhigt werden?
- Verweilen die Menschen im Raum oder sollen sie ihn passieren?
- Gibt es äussere Einflüsse, welche berücksichtigt werden müssen (z.B. Lärm, Wasseradern oder magnetische Strahlungsfelder)?
- Hat der Standort oder das Gebäude bereits eine Geschichte?
Von der Idee zur Gestaltung
Entscheidend sind immer die richtigen Grundlagen für die erfolgreiche Planung und das authentische Design. Bevor also über das Wie der zu verplanenden Quadratmeter nachgedacht wird, braucht es ein ehrliches und aussagekräftiges Gesamtkonzept. Dieses basiert auf dem übergeordneten Businessplan eines Unternehmens und sollte sich nahtlos in die Gesamtphilosophie eines Betriebes einfügen. Ein erfolgreiches Konzept für einen Spa- und Wellness-Betrieb stützt sich auf verschiedene Faktoren, welche unbedingt vollständig berücksichtigt werden müssen.
Die Softfaktoren
- Standortprofil und Potenzialanalyse (welches Potenzial hat das Gebäude, der Ort, die Region? Wie gross ist das Einzugsgebiet, die Verkehrslage?).
- Saisonale Schwerpunkte, Spitzenzeiten während des Tages (in einem alpinen Ferienort unterscheidet sich der Alltag komplett von der städtischen Umgebung).
- Zielgruppenanalyse über Gästeprofil und Kernzielgruppen (sind beispielsweise Kinder erlaubt?).
- Gesamtpositionierung des Betriebes (wenn sich ein Betrieb z.B. als Ruheoase positioniert, müssen Bewegungsflächen sehr grosszügig gehalten sein, um auch bei starker Belegung einen ruhigen Fluss der Gäste zu gewährleisten).
- Themenfindung und Angebotsgestaltung entsprechend den Analysen definieren und nicht ausschliesslich auf die Vorlieben des Investors abstützen.
- Aussage und Philosophie des Angebots müssen mit dem restlichen Betrieb übereinstimmen.
- Detailliertes Betriebskonzept mit sämtlichen logistischen Abläufen und Anforderungen des späteren Betriebes (sehr wichtig z.B. für die Anordnung des Empfangsbereiches, der Wäschelogistik, Putzabläufe, Kapazitäten der Schnittflächen, Technikräume, Zugänge zu den einzelnen Bereichen etc.).
- Wirtschaftlichkeitsberechnung über Investition, Betriebskosten, Umsatzpotenzial.
Die Hardware
- Infrastrukturmerkmale (getrennte Bereiche für Frauen und Männer? Benötigter Stauraum?)
- Raumanordnung gemäss den Betriebsabläufen
- Flächenbedarf der einzelnen Bereiche
- Sicherheitsanforderungen
- Energiebedarf und -quellen
- Design und Aussage
- Lichtkonzept (welches Licht schafft das gewünschte Ambiente?)
- Einrichtungsschwerpunkte
Erfolgreich sind Angebote, bei denen Schnittstellen frühzeitig geschaffen wurden und bereits in der Konzeptphase Investor und Fachberater sowie sämtliche später involvierte Fachplaner, Designer, Architekten und Betreiber zusammengearbeitet haben.
Räume werden von Menschen für Menschen geschaffen
Guido Henzmann, Innenarchitekt und Inhaber der Ligno In- Raum AG in Emmen, bringt es auf den Punkt: „Bei der Neuoder Umgestaltung von Räumen lernen wir nicht nur die Wünsche und Vorstellungen des Auftraggebers kennen, sondern wir versuchen, ihn auch in seiner Persönlichkeit zu erfassen. Nur so entsteht das notwendige Vertrauen, um gemeinsam das Beste für den Gast zu entwickeln. Es geht um Zusammenarbeit statt um reine Auftragserfüllung.“
Nur wer also bereit ist, Informationen aus dem breiten Wissen von Fachleuten aufzunehmen, kann auch heute noch mit seinem Spa- und Wellness-Angebot wirtschaftlich erfolgreich sein. Er muss die erforderlichen Kriterien in sein Konzept integrieren und die entsprechenden Anpassungen der Infrastruktur sowie im Betrieb vornehmen. Leider wird manchmal erst nach einem oder mehreren „Fehlstarts“ erkannt, dass für das individuelle Erfolgskonzept ein hohes Mass an Betriebskenntnissen und Fachkompetenz erforderlich ist. Es macht oft auch Sinn, externe und betriebsneutrale Partner dazuzuholen. Nicht immer sind die Vorlieben des Investors oder Auftraggebers diejenigen, welche den Bedürfnissen der künftigen Gäste entsprechen.
Das Wellness-Motiv
Der Gast hat klare Vorstellungen von seinem Spa- und Wellness-Aufenthalt. Er weiss, wie tolle Fitness-, Anwendungsund Saunalandschaften auszusehen haben, und setzt dies voraus. Er kennt viele verschiedene Massageformen und ist fähig, Vergleiche zu ziehen. Seine Erwartungen sind entsprechend hoch. Wenn diese nicht erfüllt, im Idealfall sogar übertroffen werden, wird er sich später kaum an den Aufenthalt erinnern und zum nächsten Anbieter weiterziehen.
Es braucht demnach das perfekte Zusammenspiel von Angebot, Service und Design. Nur so kann der Gast über alle fünf Sinne angesprochen werden und er wird seinen Aufenthalt als Erlebnis wahrnehmen und auch gerne wiederkommen.
Caroline Wüest
führt die Geschäfte von „wellswiss“ und betreut die Verbundpartner. Zu ihren Aufgaben gehören die Projektakquisitionen, Kundenbetreuung, Beratung, Kontakt zu Verbänden und Institutionen in der Gesundheitsvorsorge und im Tourismus, Koordination der umfassenden Marketingaktivitäten und die Kommunikation.
Infos: www.wellswiss.ch
