Von Krise (noch) keine Spur

SFGV-Tag verbreitet Optimismus in der Branche

Wer am 27.02.2009 den SFGV-Tag im KKL Luzern besuchte, konnte keine Anzeichen von Wirtschaftskrise entdecken. Sowohl bei den Centerbetreibern als auch bei den Ausstellern war von einem Mitgliederrückgang oder von Umsatzeinbrüchen keine Rede. Im Gegenteil: Mit der Einführung einer neuen Berufslehre setzt der SFGV ein positives Zeichen in Richtung Zukunft.

Natürlich war auch auf dem Branchentreff der Schweizer Fitnessszene das Thema Finanz- und Wirtschaftskrise ein Thema. Doch beherrschend war es nicht. Dean M. Gröning, Marketingleiter von milon industries, brachte es auf den Punkt: „Wir machen die Krise einfach nicht mit.“ Warum sollte die Fitnessbranche auch? Schliesslich wächst das Kundenpotenzial stetig: Jeder dritte Schweizer ist übergewichtig, kaufkräftige Senioren wollen gesund und vital im Alter sein, die Anzahl der Personen, die am metabolischen Syndrom oder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, steigt ebenfalls und selbst Ärzte sind immer überzeugter von den positiven Wirkungen eines Bewegungs- bzw. Fitnesstrainings. „Bewegung ist ein Antidepressivum und es gibt wissenschaftliche Hinweise, dass Bewegung auch krebsverhindernd ist“, so der Komplementärmediziner Dr. med. Olaf Kuhnke im Rahmen der Podiumsdiskussion auf dem SFGV-Tag 2009. Das Feld für eine positive Zukunft der Fitnessbranche scheint also bereitet.

SFGV ist gut gerüstet
Diese positive Einstellung unterstrichen auch die SFGV-Vorstandsmitglieder Irene Berger und Roland Steiner auf der zum zweiten Mal stattfindenden Medienkonferenz. Insbesondere die neu entstehende Berufslehre mit EFZ (eidgenössischem Fähigkeitszeugnis) soll sowohl der Branche als auch jungen Menschen eine professionelle Zukunft ermöglichen. Bildung und Berufslehre sind zentrale Aufgaben für jede Branche. „Die rasant gewachsene Fitnessund Gesundheitsbranche wird ‚erwachsen’“, erklärte Claude Ammann, Pressechef und neuer Präsident des SFGV, „und unternimmt weitere Schritte in der Aus- und Weiterbildung kompetenter Mitarbeitender.“ Die Berufslehre mit EFZ sieht dabei eine dreigliedrige Ausbildung im Betrieb (Fitnesscenter), in der Berufsschule (zentral je Sprachregion) sowie eine überbetriebliche Fachausbildung vor. Laut aktuellem Zeitplan erfolgt die Ticketerteilung durch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT im Juli 2009. Damit könnte der neue Beruf zum 01.01.2011 in Kraft treten. Die ersten Lehrlinge könnten somit ab Sommer 2011 ausgebildet werden. Ziel ist es, den zweiten Gesundheitsmarkt als Kompetenzmarkt der Fitnessbranche zu etablieren. Schliesslich berge der 2. Gesundheitsmarkt, Schätzungen des SFGV zufolge, bis zu einer Milliarde CHF Umsatzpotenzial. Dementsprechend müsse man sich auch weg vom Fitnesscenter, hin zum Gesundheitszentrum positionieren.
Mit Corpura, dem Trainingsprogramm speziell für bzw. gegen das metabolische Syndrom, macht die Fitnessbranche einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Gesundheitsmarkt. In der deutschsprachigen Schweiz soll Corpura flächendeckend angeboten werden. Dafür wurde im Jahr 2008 die Ausbildung von Corpura MetaSyn-Trainern forciert, die von dem Diabetesspezialisten Prof. Dr. Roger Lehmann von der Universitätsklinik Zürich geleitet wurde. Zur weiteren Ausweitung des Angebotes soll die Ausbildung auch in die Ausbildung und Prüfung des „Fitnessinstruktors mit eidgenössischem Fachausweis“ integriert werden. Weitere Details über das Berufsbil- dungskonzept (Referentin: Maria Paul), über Corpura MetaSyn (Referentin: Irene Berger) und die nationale Kampagne beneFit (Referent: Roland Steiner) erfuhren die Besucher in den am Nachmittag stattfindenden Workshops.

Die Fachausstellung
Grosse Überraschungen, was die Produkte der Aussteller betraf, gab es nicht. Denn auch wenn der SFGV-Tag der einzige Fitnessbranchentreff in der Schweiz ist (womit seine Wichtigkeit nochmals betont werden soll), so werden die absoluten Neuheiten doch erst auf der FIBO vom 23. bis 26. April in Essen (Deutschland) vorgestellt; Andeutungen in diese Richtung gab es einige. Die Stimmung auf dem Ausstellerparkett war jedoch gut und das Resümee fiel dementsprechend aus. Die Wirtschaftskrise scheint bei den Herstellern (noch) nicht angekommen zu sein. Teilweise vernahm man sogar Stimmen, wonach im Januar beträchtliche Absätze generiert werden konnten. Aber auch beim Grossteil der Studiobetreiber war von Krise kaum etwas zu spüren. Gerade in Krisenzeiten seien die Menschen wohl eher bereit, sich selbst etwas zu gönnen und sich selbst etwas Gutes im Fitnesscenter zu tun. Dafür werde beispielsweise schon mal auf einen Wochenendtrip oder das neue Auto verzichtet, so das Resümee vieler Clubbetreiber.

Präventiv in die Zukunft
Dass Bewegung gut für die Gesundheit jedes Einzelnen und auch für den Haushalt der Kassen ist, darüber waren sich alle Podiumsdiskutanten einig. Dass Personen, die sich gesundheitswirksam bewegen, auch einen Prämienbonus auf der KVG-Prämie erhalten sollten, darauf konnten sich die Teilnehmer jedoch nicht einigen. Dennoch verlief die Diskussion äusserst rege. Auch das Publikum war engagiert bei der Sache und mischte sich in die Debatte ein. Grösster Kritikpunkt: Gesundheits- und Krankheitsmarkt würden zu sehr vermischt werden. Schliesslich sei es nicht Aufgabe der Fitnesscenter, kranke Menschen zu behandeln; dies sei Aufgabe der Ärzte. Dieser Hinweis brachte die schlingernde Debatte wieder auf Kurs. Prof. Dr. Thomas Zeltner brachte es letztlich auf den Punkt: „Es wird zu viel Geld in die kurative Medizin gesteckt und zu wenig in die Prävention und Gesundheitsförderung.“ Wird diese Aussage von der Politik und den Krankenkassen aufgenommen, dann muss der Fitnessbranche vor der Zukunft nicht bange sein. Denn hier liegen deren Stärken, die dann, politisch gewollt, ausgespielt werden könnten – zum Wohl der Bürger und zum Wohl der Beschäftigten im Gesundheitsmarkt.

Der Galaabend
Ein Teil der Zukunft wurde am Galaabend dann in Form der Absolventen der eidgenössischen Prüfungen präsentiert. In festlichem Rahmen wurden die 48 Absolventen auf der Bühne den etwa 250 Gästen vorgestellt und erhielten aus den Händen vom damaligen Noch-Präsidenten Martin Steinhauer ihre Urkunde. Eine Showeinlage, chillige Livemusik der Jazzband Mishermans Friends, die Ehrung des „body LIFE Swiss-Club des Jahres 2008“  sowie ein feines Nachtessen in ungezwungener Atmosphäre rundeten diesen informativen, unterhaltenden und spannenden SFGV-Tag ab.

Interviews und vieles mehr rund um den SFGv-Tag finden Sie auch in unserem WEB-TV unter der Rubrik SFGV-Tag

Klaus Springer