Was Frauen wirklich wollen

Frauenstudios – das richtige Angebot für feminine Sportlerherzen

Worauf es Frauen im Lady-Studio ankommt, erfährt man am besten von den Kundinnen selbst. Recherchen zu der Fragestellung: „Was ist Ihnen in einem Frauenstudio wichtig?“, zeigen bei Sportlerinnen verschiedener Lady-Clubs eindeutige Tendenzen.

Während der vergangenen Jahre hatten Frauenstudios mit einigen Problemen zu kämpfen. Die Mitglieder- und Umsatzzahlen gingen deutlich zurück, während gemischte Anlagen sogar leichte Zuwächse zu verzeichnen hatten. Dennoch bleiben die Lady-Center ein wichtiges Angebot für all jene, die lieber allein unter Frauen trainieren möchten.
Leider gibt es keine statistisch verlässliche Quelle, in der die Trainingsmotive und -erwartungen der Frauen in Lady-Studios separat erfasst wurden. Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf. Denn solange nicht bekannt ist, wofür feminine Sportherzen schlagen, was konkret die Beweggründe für den Besuch eines Frauenstudios sind und welche Erwartungen gestellt werden, solange kann auch nicht gezielt auf die Wünsche der Kundinnen eingegangen und das Angebot gezielt beworben werden.

Der Anfang unter Gleichgesinnten

Der Entschluss, regelmässig im Studio zu trainieren, ist bei den Damen oft mit dem Wunsch nach Gewichtsreduktion verbunden. Es kostet viel Energie und Überwindung, den lästigen Pölsterchen zu Leibe zu rücken und einen Einstieg zu schaffen.
Unzufriedenheit und Scham gegenüber dem eigenen Körper stellen oftmals die grösste Hemmschwelle dar, sich in einem gemischten Fitnessstudio anzumelden. Vor allem die Anwesenheit von Männern ist bei vielen Damen nicht erwünscht, weil sie verunsichert und Druck verursacht. Hinzu kommt, dass für viele Frauen das Fitnesstraining absolutes Neuland ist. Unerfahrenheit, Unsicherheit und überflüssige Pfunde sind es, die Fitness- Anfängerinnen in ein Lady-Studio gehen lassen. Hier wird sich gegenseitig Mut gemacht, denn Frauen wissen selbst am besten, was ihre „Leidensgenossinnen“ bewegt. Besonders für Einsteigerinnen ist die Möglichkeit, unter Gleichgesinnten zu trainieren, der ausschlaggebende Grund, Mitglied in einem Lady- Studio zu werden.
Ein weiteres Argument für eine Mitgliedschaft im Lady-Studio ist der soziale Kontakt zu anderen Frauen. Kommunikation ist für Frauen von entscheidender Bedeutung. Sie wollen sich sowohl beim Training als auch in der Sauna gerne untereinander austauschen und dabei die Seele baumeln lassen. Riesige Trainingsareale sind dafür eher ungeeignet. Den Wunsch, Frauen-Bekanntschaften zu knüpfen, die vielleicht auch über das Fitnesstraining hinausgehen, äussern ebenfalls viele Studiosportlerinnen. Besonders wichtig ist dabei auch die Ansprache der Kundinnen durch das Studiopersonal, was dazu führt, dass sich Neulinge ebenso wie erfahrene Fitnessexpertinnen sicherer und gut aufgehoben fühlen.

Wohlfühl-Atmosphäre

Die meisten Frauen schätzen kleinere, aber feinere Studios. Grosse, unpersönliche Fitnesscenter mit Hallencharakter entsprechen nicht dem weiblichen Trainings Trainings- und Wohlfühlgeschmack. Kahle Wände, endlose Reihen mit Trainingsgeräten und eine unüberschaubare Zahl an Kursteilnehmern schreckt Frauen eher ab. Gemütlichkeit auf wenigen Quadratmetern ist dagegen angesagt.
Hygiene: Frauen mögen es sauber. In diesem Punkt sind sie wesentlich penibler als Männer. Studiobetreiber können leicht den Unmut ihrer Kundinnen auf sich ziehen, wenn sie diesem Punkt zu wenig Beachtung schenken.
Farben: Eine grosse Rolle spielt die farbliche Gestaltung des Studios. Grelle Wandfarben oder knallbunte Teppiche wirken unruhig und schrecken eher ab. Sowohl im Trainings- als auch Wellness-Bereich gefällt eher dezentes Farbdesign und indirekte, warme Lichtstimmung.
Struktur: Wichtig sind auch die klare Strukturierung und Gestaltung der einzelnen Studiobereiche. Der Theken- oder Bistrobereich sollte bequeme Sitzgelegenheiten bieten und zum Verweilen einladen. Im Trainingsareal sind klare Abgrenzungen von Cardio-, Kraft- und Stretchingbereich ein absolutes Muss. Dabei ist darauf zu achten, dass die Trainingsgeräte in ausreichender Anzahl vorhanden sind, ohne dass der Raum zugestellt und unübersichtlich wirkt. Eine effiziente moderne Ausstattung der Trainingsgeräte (z.B. chipgesteuert) kommt zusätzlich gut bei den Kundinnen an. Im Gegensatz zu den gemischten Studios wird beim weiblichen Bodyforming auf den Freihantelbereich meist vollständig verzichtet.
Accessoires: Die Liebe zum Detail rundet das Bild eines Damenstudios erst richtig ab. Geschmackvolle Bilder, Pflanzen im Trainingsbereich sowie ein frischer Strauss Blumen am Empfang schaffen ei ne Wohlfühlatmosphäre. Kleine Aufmerksamkeiten, wie eine frische Obstschale oder ein sinnlicher Duft für den Saunaaufguss, sorgen für angenehme Entspannung und Wohlbefinden. Erwünscht ist, was den Alltag vergessen lässt und die Sinne der Frauen anspricht. Das Angebot Die angebotenen Dienstleistungen in Damenstudios unterscheiden sich in einigen Punkten deutlich von den Fitnessanlagen mit gemischter Klientel.
Preise: Die Damen müssen vergleichsweise kürzere Öffnungszeiten und höhere Preise in Kauf nehmen. Begründet wird das höhere Preisniveau durch die geringere Anzahl von Mitgliedern in den Lady- Studios. Kleiner und feiner ist in diesem Fall auch teurer!
Ernährung & Figur: Ein Schwerpunktthema vieler Frauenstudios ist naturgemäss die Ernährung. Mit kostenlosen Infoabenden und individueller Ernährungsberatung bekommen die Frauen grundlegende Richtlinien an die Hand, dauerhaft etwas für ihre Gesundheit und Figur zu tun. Kompetente und umfassende Hilfestellung in Sachen Ernährung ist auch vereinzelt in gemischten Anlagen zu finden, hat sich jedoch generell noch nicht etabliert. Vielerorts werden den Frauen spezielle Trainingsgeräte zur Verfügung gestellt, um Cellulite zu bekämpfen; so können die Damen ihre Beine und den Po straffen. Ein Angebot, welches fast ausschliesslich in der Damenstudiowelt zu finden ist.
Kinderbetreuung: Ungestörtes Training ist für viele Frauen nur möglich, wenn sie ihre Kleinen gut betreut wissen. Wer also junge Mütter als Kundinnen gewinnen möchte, sollte ein kindgerechtes Angebot für den Sportlernachwuchs einrichten. Al lerdings ist diese Möglichkeit meist aus Kostengründen nur grösseren Studios vorbehalten, egal, ob nur für Frauen oder beide Geschlechter.
Sauna, Wellness, Beauty: In gemischten Studios sind spezielle „Sauna-Frauentage“ eher selten vorzufinden. Dagegen kommen Frauen in den Lady-Studios diesbezüglich voll auf ihre Kosten: Täglich können sie unter ihresgleichen schwitzen, relaxen und sich ungestört unterhalten. Allerdings wird dort teilweise das mangelnde Raumangebot im Sauna- und Wellness-Bereich beklagt. Ideal ist es, wenn die Chill-out-Zone für Frauen neben angenehmen Räumlichkeiten auch Massage- oder Beautyangebote bietet.
Ob frau das komplette Verwöhnprogramm nutzen kann, hängt meist von Studiostandort und -grösse, den Mitgliederzahlen und natürlich der Nachfrage ab.
Kurse: Im Kursplan der Frauen ist ein deutlich neuer Trend zu entdecken. Hier geht es nicht mehr allein darum, den Körper fit zu halten und das Gewebe zu straffen, sondern auch körperlichen und seelischen Stress abzubauen. Im Kursplan einiger Studios tauchen klangvolle Namen wie „Body & Mind“, „After Work Meditation” oder gar „Traumreise” auf. In diesen Kursen wird frau angeleitet, Körper, Seele und Geist wieder in Einklang zu bringen. Yoga und Pilates ergänzen das ruhige Workout-Angebot und gehören meist genauso zum Standardprogramm wie die Powerkurse rund um Step und Aerobic.
Das Neueste auf dem englischen Markt kommt übrigens aus London. Dort lockt das Fitnessstudio „Gym Box“ die weibliche Kundschaft mit dem „Shag Workout“. Spezielle Unterleibsübungen verheissen ein einzigartiges Körperempfinden. Stellt sich die Frage, was „Shag“ denn wahrhaftig von der gemeinen Beckenbodengymnastik unterscheidet. Auf jeden Fall zeigt „Shag“ Wirkung, denn der Umsatz steigt.

Das Frauenstudio der Zukunft?

Es gibt neue Strömungen auf dem Fitnessmarkt: Kleine, eher puristisch anmutende Frauenstudios sind dabei, den deutschen Fitnessmarkt zu erobern. Das Trainingskonzept der konkurrierenden Franchise-Unternehmen wie z.B. Mrs. Sporty und Curves basiert auf einem 30- Minuten-Programm, das Frauen wieder in Form bringen soll. Auf wenigen Quadratmetern wird bei ständiger Betreuung drei Runden lang ein Gerätezirkel mit acht bis zehn hydraulischen Trainingsstationen absolviert. Bevor es mit den Kräftigungs- und Konditionsübungen losgeht, wird sich kurz erwärmt und hinterher klassisch gedehnt. Ergänzend zum Zirkel erhalten die Kundinnen auch individuelle Beratung zur Ernährung und Gewichtsreduktion. Sauna und Wellnessangebote sind bei den „Mini-Studios“ nicht vorgesehen, meist gibt es noch nicht mal eine Dusche.
Für die Mrs.Sporty-Clubs wirbt auch Tennisstar Stefanie Graf, die mit dem Ehepaar Valerie und Niclas Bönström das Franchise-Unternehmen gegründet hat. Ende des Jahres sollen erste Clubs in der Schweiz und in Österreich eröffnet werden. Zurzeit werden engagierte Franchisepartner gesucht. Curves ist mit über 10.000 Niederlassungen weltweit das grösste Franchise-Unternehmen der Fitnessbranche. Viele weitere Franchisemodelle der Branche basieren auf einem ähnlichen Konzept.
Worin liegt der Erfolg? Die Zielgruppe der Studios: in erster Linie Frauen mittleren Alters, die bislang den Schritt in ein Studio gescheut haben. Sowohl Curves als auch die anderen Studios setzen da an, wo viele Frauenclubs ihren Schwachpunkt haben: bei der ständigen Betreuung und Motivation. In den „Mini- Studios“ wird in persönlicher Atmosphäre sportlich-familiäre Fitness praktiziert. Dabei scheinen weder die sehr begrenzten Öffnungszeiten noch der gänzliche Verzicht auf Fitnesskurse bei normalem Preisniveau abzuschrecken. Der persönlich-familäre Aspekt kann bei den Mrs.Sporty-Clubs zusätzlich noch durch weitere Aktivitäten ausserhalb des Fitnesstrainings, wie zum Beispiel Bauchtanz- Workshops, Beautyangebote und Ernährungsseminare, gefördert werden.

Ausblick

Marktbereinigung hin oder her – eine Marktanalyse, die die Damenstudiowelt und ihre Kundinnen transparenter werden lässt, ist dringend erforderlich. So können Wünsche, Erwartungen und bestehende Missstände aufgedeckt und Marktanpassungen vorgenommen werden. Denkbar ist beispielsweise eine fortschreitende Segmentierung in der Fitnessbranche. Vereinzelt werben Damenstudios schon mit „Best- Age-Angeboten“, Training für die „Golden Girls“ oder für „XXL-Frauen“. Vielleicht setzen sich derartige Spezialisierungen durch. Vermutlich wird sich auch der Trend der verkürzten Trainingszeiten weiter etablieren. Die Entwicklung geht ja bereits deutlich dahin, die Geräte effektiver zu machen und die Trainingszeit somit zu verkürzen. Frauenstudios, die sich danach richten, was frau gefällt und ihre Lebensqualität steigert, werden auch weiterhin ein wichtiges Segment bleiben. Kirstin Beringhoff und Kirsten Dehmer